Habt ihr einmal darüber nachgedacht, wie unrealistisch die Anforderungen heutzutage an eine Frau sind? Sie muss eine gute Mutter und Karrierefrau sein. Sie muss fürsorglich, liebevoll und angenehm sein, einen intelligenten Esprit haben, mit ihrem Humor brillieren und natürlich obendrein noch aussehen wie das nächste Topmodel. Kein Wunder. Denn die Medien und auch die Spieleindustrie haben es uns jahrelang eingebläut, dass nur eine attraktive Frau auch eine gute Frau ist. Das begann bereits im Kindergarten, als wir unsere erste Barbie Puppe, 90er Jahre Modell, in den Händen hielten und genauso aussehen wollten wie sie: lange blonde und volle Haare, Endlosbeine, makellose Haut, ein dauerhaftes Lächeln auf den Lippen, eine ultraschlanke Taille und azurblaue Augen, denen sogar Ken nicht widerstehen konnte. Noch heute sind solche Barbies im Laden erhältlich. Jedoch wurde die Produktpalette deutlich erweitert.

Mehr Konkurrenz für die Barbie Puppe (90er Jahre)

In ihrem mittlerweile 57-jährigen Leben – und kein Jahr davon sieht man ihr tatsächlich an – ist die Barbie in mehr als 180 Berufe geschlüpft. Sie ist eine erfolgreiche Anwältin, die für Kinderrechte kämpft. Sie ist eine gute Hausfrau und Mutter, die auch im Alltag immer umwerfend aussieht. Und sie ist auch eine gute Feuerwehrfrau, die beim jedem Brand zur Stelle ist. Sogar für das Amt der US-Präsidentin hat die blonde Ikone bereits kandidiert und ist nicht wie Hillary Clinton daran gescheitert, sondern sie konnte die Weltpolitik, zumindest jener unserer Kinderwelt, mit beeinflussen. Doch der Kleider- und Berufswechsel der Barbie konnten ihrem Imageverfall nicht aufhalten. So sind seit Jahren deutliche Rückgänge der Verkaufszahlen zu verzeichnen. Schließlich kann die heutige Mädchengeneration auf eine Vielzahl an Konkurrenzprodukten zurückgreifen, unter anderem die mollige Lammily, die Playmobil-Barbie und die dunkelhäutigen Ntombele-Puppen mit dem Afro-Haar und den traditionellen afrikanischen Trachten.

Ntombele-Puppen: Barbie Puppe 90er

All diese Exemplare sind deutlich näher an der Lebenswelt als die Barbie es jemals war. Dies erkannte ihr Hersteller Mattel und veränderte in diesem Jahr nicht nur erstmalig das Aussehen der Puppenikone, sondern auch direkt ihren gesamten Körperbau, ihre Gesichtsform und ihre Haar- und Augenfarbe. Denn überschlanke Puppen sind bei vielen Kindern und auch Eltern out und mehr Natürlichkeit und ein gesundes Körperbewusstsein sind gefragt. Insgesamt 33 neue Puppenmodelle sind nun seit März 2016 verfügbar, die sich durch ihre vier verschiedenen Körperbautypen (schlank, groß, zierlich, kurvig) voneinander unterscheiden. Zusätzlich dazu hat Mattel 14 unterschiedliche Gesichtsformen, 22 Augenfarben, 24 Frisuren, 30 Haarfarben und sieben Modestile neu eingeführt. So findet bestimmt jedes Kind die richtige Barbie für sich. Mit rund 10 US-Dollar bzw. 10 bis 15 Euro pro Stück sind die Puppen preislich recht erschwinglich – und werden sich sicherlich unter dem einen oder anderem Weihnachtsbaum oder beim Kindergeburtstag wiederfinden.

Barbie Puppe 90er Jahre ein Flopp in China

Während die traditionelle Barbie in Europa und den USA lange Zeit als konkurrenzlos galt, kam die Puppe in Asien nie so richtig an. Denn Mattel verkannte die Vorlieben anderer Länder und Kulturen, weshalb die Barbie jahrzehntelang nicht angepasst wurde. Dennoch erhoffte sich der Konzern einen Verkaufserfolg, der vor allem in dem derzeit größten Wachstumsmarkt, China, aber ausblieb. So machte beispielsweise ein in Shanghai eröffnetes Barbie-Kaufhaus nach zwei Jahren aufgrund eines dauerhaften Besuchermangels wieder zu. Mit den neuen Modellen erhofft man sich, dass die 30-Millionen-Investition nicht zu einer Ruine wird, sondern man einen weltweiten Neustart wagen kann, der sich auch tatsächlich rentiert.

Barbie Puppe 90er: neue Modelle

Wie gut die Chancen für die neuen Barbies stehen, ist nicht bekannt. Jedoch konnte sich der US-Konzern einige namhafte Stars und Sternchen als Paten sichern, darunter auch das Plus-Size-Model Ashley Graham. Sie verkündete, dass nun bald eine Barbie Puppe auf den Markt gebracht werden würde, die exakt ihrem Gesicht und ihren Maßen nachempfunden sei. Ein kleiner Bauch, runde Hüfte, kürzere Beine und dunklere Haare inklusive. Vorbei sind die Zeiten, in denen man unrealistischen Idealen hinterhereifern sollte, so Graham. Vielmehr sei es an der Zeit, den kleineren Kindern ein realistisches Vorbild zu liefern, das ein gesundes Körperbewusstsein liefert. Schließlich ist nicht jede Frau gleich. Und während die einen tagtäglich mit Übergewicht und Fettpölsterchen kämpfen, sind andere mit einem natürlich schlanken und trainierten Körper gesegnet.

Erfolgschancen der neuen Barbie im Vergleich zur Barbie Puppe 90er

Die neue Barbie ist also ein durchaus lobenswerter Versuch, die Superblondine ins 21. Jahrhundert zu holen. Wahrscheinlich wird sie uns durch ihren Imagewechsel und ihr neues Aussehen noch mindestens 57 weitere Jahre aus den Spielzeugregalen der Einkaufshäuser heraus anlächeln. Aber momentan einmal. Einigen Barbies hat es sogar beim Make-over das Lachen verschlagen und sie schauen mit verträumtem oder ernstem Gesichtsausdruck die kleinen und großen Mädchen weltweit an. Doch ganz egal, ob nun blondiert, blauäugig und dauergrinsend oder brünett, kurvig und ernsthaft, bei einer Gruppe werden die Barbie Puppen 90er , 2000er oder 2010er niemals aus der Mode kommen: den Sammlern.  

Hier seht ihr das Video zum Make-over:

 

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