Via Facebook, Instagram oder auf persönlichen Blogs werde ich mittlerweile mit Baby- und Kinderbildern des Nachwuchses meiner Freunde überhäuft. Fast täglich gibt es einen neuen Post, in dem mal wieder präsentiert werden muss, wie einzigartig und niedlich die Kleinen sind, gepaart mit einem extremen elterlichen Stolz. Texte wie „Nun bist du schon ein Jahr“, „Mama und Papa lieben dich“ und „Neun Monate mussten wir auf dich warten“ krönen dabei die sehr privaten Einblicke. Doch das ist noch lange nicht die Spitze des Eisberges. Denn wie ihr wahrscheinlich bereits seit längerer Zeit mitbekommen habt, häufen sich die Veröffentlichungen von Fotos, auf denen stillende Mütter oder gebärende Schwangere gezeigt werden. Während einige „Hurra“ und ein Hoch auf den Feminismus schreien, sind andere weniger begeistert. Auch ich reihe mich eher in die zweite Gruppe ein, vor allem wenn es um die Privatsphäre meines Kindes geht. Genau aus diesem Grund haben weder mein Partner noch ich beschlossen, irgendwelche Kinderfotos zu posten.

Wie oft hört man schließlich von Pädophilen, die ihre Opfer im Internet auswählen? Das ist aber nur eines von mehreren Problemen, die ich mit der öffentlichen Zurschaustellung des gesamten Lebensinhaltes habe. Schließlich soll mein Kind allein – und nur es allein – einmal selbst bestimmen, ob es sein Leben in sozialen Netzwerken ausbreiten möchte oder eben nicht. Genau deshalb, genau aufgrund dieser Selbstentscheidung möchte ich mein Kind nicht vorab in die Öffentlichkeit drängen und alle ach so niedlichen Bilder mit der Weltöffentlichkeit teilen. Vielleicht ist es den Kindern auch später einmal peinlich? Und was die ganze Starriege vormacht, muss man ja auch nicht nachmachen. Und so verbringe ich lieber weniger Zeit damit, Bilder von meinem Kind zu veröffentlichen, als ihm persönlich zu sagen, wie sehr ich es liebe und wie besonders es für mich ist. Lieber spiele ich mit ihm, als über jedes seiner Lebensereignisse, sei es das erste Zähnchen oder die ersten Schritte, allen zu erzählen.